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Neues zu Glyphosat - Druckversion

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RE: Neues zu Glyphosat - Landfrau - 09.12.17

Mir ist auch keine andere Regelung bekannt.
Und selbst wenn, käme man nicht auf 4 Anwendungen tongue
Spritzung im Frühjahr, Sommeraussaat, Sikkation bei uns überwiegend verboten, also bestenfalls eine 2. Spritzung zur Vorbereitung der Wintersaat. :noidea:

Edit: Behandlung der Stoppeln ginge noch,aber dann müsste die Neueinsaat warten. Auf 4 Anwendungen komme ich nicht.



RE: Neues zu Glyphosat - Anjoli - 09.12.17

Nur kurz, gleich schreibe ich länger.
Brigitte,
die Auflagen von 2014 bezüglich Glyphosat gelten nur für Getreide, nicht für Winterraps, Leguminosen, Sommerölfrüchte.
Aus: http://www.tll.de/imperia/duengungstagung/dp081114.pdf
Punkt 3, Änderung der Zulassung, letzter Punkt 3.

Von daher kann man auch auf vier oder sechs oder sogar noch mehr Anwendungen kommen. Da steht ganz im Belieben... wink

LG
Anjoli


RE: Neues zu Glyphosat - Anjoli - 09.12.17

So, da bin ich wieder. Ich habe vor zwei Stunden eine lange Antwort getippt, und die dann mit einem falschen Klick gelöscht. Na, nun versuche ich es erneut. sad

Antwort auf Dein vorletztes Post, Beitrag Nr 128, Brigitte:

Ich widerspreche den von Dir geschriebenen Worten nicht. Es ist durchaus möglich, dass Glyphosat , bei richtiger Anwendung, Menschen keine Schäden zufügt.
Ich bin auch kein Befürworter der Verbotspolitik, die die Grünen so gerne betreiben. Im Gegenteil, vieles davon nehme ich ihnen regelrecht übel.
Aaaaber ... bei der heutigen "Turbolandwirtschaft" , bin ich schon sehr dafür, dass deutlich genauer hingeschaut wird! An Glyphosat wird in D gerade ein Exempel geritten, das sehe ich auch so. Und zwar allgemein stellvertretend für "Chemie auf dem Acker". Letztlich ist dagegen auch nichts zu sagen, selbst wenn einige Töne deutlich hysterisch klingen.

Ich denke, wenn Menschen in der Lage sind, ein Zeug wie Glyphosat herzustellen und Zeug wie die Neonicotinoide, sind sie auch in der Lage, andere Mittel herzustellen, die das Gleiche bewirken, ohne weltweit die Vegetation zu schädigen oder die Tierwelt. Diese beiden Punkte werden selbst von Glyphosatbefürwortern oder Befürwortern der Neonicotinoide nicht bestritten.
Das wäre MEIN Appell an die Wissenschaft und an die Politik!

Meinetwegen kann die Zulassung für Glyphosat und andere Mittel sogar bestehen bleiben, wenn ihre Ausbringung nur strenger überwacht und verfolgt würde! Und da das weltweit absolut nicht machbar ist, erscheint es einfacher, solche Dinge gleich vom Markt zu nehmen.

Eben habe ich noch geantwortet auf die gesetzlichen Auflagen von 2014 zu Glyphosat. Ich hoffe, es ist klar geworden, dass diese NUR für Getreide gelten!
Bei anderen Folge- und Zwischenfrüchten kann der Bauer auf's Land draufschütten was er möchte! Sind auch diese gesetzlichen Änderungen... eine Nebelkerze?

Ich merke, ich lande mit diesem Beitrag woanders als mit dem vor zwei Stunden, das kann ich jetzt nicht mehr ändern, ich habe den alten Faden verloren.
Na, einen Gedanken will ich versuchsweise wieder aufgreifen.
Ich möchte von Wissenschaft und Politik erwarten, dass sie vermehrt denken, und sich nicht - nahezu ungeprüft - auf die Empfehlungen der Agrarlobby verlassen.

Ich habe die großen Monokulturen in Mc-Pomm gesehen.
Erinnerst Du Dich, Brigitte, an diesen schweren Autobahnunfall in Mc-Pomm, oder in der Nähe, wegen Flugsand? Diese Bodenerosion kann tatsächlich durch simplen Anbau von Windschutzhecken gestoppt werden. Das dabei einzig andere, neue:
die Agrargiganten müssten künftig mit kleineren Maschinen ihre Äcker bewirtschaften.
Jeder halbwegs kluge Mensch weiß oder ahnt inzwischen, dass schwere Maschinen den Boden verdichten. War ganz interessant, auf dem letzten Feldtag, wo sich eine angeregte Diskussion darüber entspann. Der Leiter unserer Gruppe ( der absolut positiv zur Agrarlobby gehört) zeigte uns auf den Versuchsflächen die Auswirkungen. Er zeigte, wie bei Verdichtung des Bodens durch drüberfahren, Getreide streifenweise nur noch spärlich gedeiht. Dumm gelaufen für die Bauern, die soeben ihre Kredite mobilisierten, um sich solche "Dickmaschinen" zu kaufen. Nun haben sie beim Einsatz der Dinger im Nachhinein mehr Arbeit.
*****

Mechthild mit ihren Sorgen um Krankheiten lasse ich jetzt mal weg, aber inzwischen hat Landfrau geschrieben.
Landfrau schrieb:Auch in NRW dominiert ganz klar der Anbau von Zwischenfrüchten und dann kommt Brachland. Etwa hier S. 15

Du, es tut mir leid, aber ich verstehe die Grafik auf Seite 15 nicht.
Ich finde da keinen Schlüssel, was was ist. Würdest Du mir bitte helfen?
Ich sehe hier in der Börde überhaupt kein Brachland, auch in Dortmund sah ich keines, anders im Bergischen Land, da gab es relativ viele Viehweiden, oder zumindest Grasfächen, die für Kühe abgeerntet wurden, das kann man ja vielleicht auch als Brachland bezeichnen...???

Alles, was ich gerade oben geschrieben habe, betrifft auch Dich.

Und ja, natürlich hängen die Bauern an ihren Äckern! Die sind ihre Existenzgrundlage!
Das hindert sie aber leider nicht an Fehlentscheidungen. Die Bauern glauben auch, was man ihnen sagt! Und niemand kontrolliert ihre Giftgaben! Giftbuch hin oder her, ihre persönliche Toleranz kann völlig willkürlich sein.

******
Ich habe keine Angst, dass die Menschheit wegen mangelnder Ackerflächen darben müsste. Wenn, dann sterben jene Benachteiligten an Hunger, die jetzt auch schon sterben. Hier handelt es sich um eine Frage der Verteilung.

Ackerflächen gibt es weltweit genug, ohne dass weiterer Wald/Regenwald gerodet werden müsste. Dummerweise ist ein großer Prozentsatz an die Herstellung von Luxusgütern, wie aktuell zum Beispiel Bio-Diesel gebunden. Das Land wurde Kleinbauern billig abgekauft, und neben riesengroßen Monokulturen aus Soja, hungern sie und ihre Familien.
In D. wird der Diesel vielfach aus Raps hergestellt.
Nehmt den Bio-Diesel weltweit weg und pflanzt Kohl und Kartoffeln an, mal ganz platt gesprochen. Das wäre ja auch eine Möglichkeit.wink

LG
Anjoli





RE: Neues zu Glyphosat - Brigitte - 10.12.17

@Landfrau & Anjoli
Wir liegen alle drei falsch. :tongue1:
Die Anwendungsbestimmung NG351, auf die wir uns bezogen haben ist mittlerweile durch die NG352 ersetzt worden.
Demnach darf öfters gespritzt werden. Einschränkung ist nun, daß, wenn zwei Anwendungen 2,9kg/ha Wirkstoffmenge überschreiten, ein zeitlicher Abstand von 40 Tagen eingehalten werden muß.

@Anjoli
Was du meinst mit "Mitteln, die das Gleiche (wie Glyphosat) bewirken, ohne weltweit die Vegetation zu schädigen" weiß ich nicht.
Ein Totalherbizid schädigt nunmal Pflanzen. Dazu ist es doch da.
Welche Glyphosatbefürworter sehen das anders?

Daß schwere Maschinen den Boden verdichten ist unstrittig. Aber was hat das mit Glyphosat zu tun? Wenn gepflügt wird, wird der (Unter-)Boden doch auch verdichtet.
Außerdem habe ich gelesen, daß die maschinelle Unkrautbekämpfung zu Humusabbau führt. Befördert das nicht Bodenerosion und in der Folge Flugsand?

Ich denke, daß wir grundsätzlich unterschiedliche Auffassungen haben.
Ich denke nicht, daß der Zweck die Mittel heiligen darf.
Es gibt Bestimmungen für die Zulassung von PSM. Die darf man nicht einfach aushebeln, um seine politischen Ziele durchzusetzen.
Wenn man das tut, müßte man dies auch politischen Gegnern zugestehen.
Gehts dann nur noch darum, wer am effektivsten Ängste schürt? Ohne sich um Erkenntnisse von Fachleuten zu kümmern?


RE: Neues zu Glyphosat - Gudrun - 11.12.17

Gemeinde traut sich was

Ist natürlich nicht viel - 59 ha gemeindeeigenes Grün~und Ackerland -

Dass sich so viel parteiübergreifende Einigkeit herstellen lässt, hätte ich nicht für möglich gehalten.


RE: Neues zu Glyphosat - Anjoli - 11.12.17

Hallo Brigitte,

ich denke auch, wir haben da sehr verschiedene Anschauungen, aber ich kann das auch achten. Ich muss Dich nicht überzeugen, Du musst mich nicht überzeugen, aber darüber diskutieren können wir sehr wohl.smile

Ich fasse nochmal zusammen, wie ich die Sache sehe, wissend, dass es bei Dir auf Missfallen stößt.
Ich fange bei Deinem Post hinten an:
Ich glaube nicht 100% an die Erkenntnisse von "Fachleuten". Die Geschichte hat immer wieder gezeigt, das viele Fachleute, Wissenschaftler und Professoren schlichtweg von der Industrie geschmiert waren. Erinnere Dich an die Sache mit dem Asbest. Manche Wissenschaftler haben davor gewarnt, andere haben lang und breit die Unbedenklichkeit des Stoffes bekundet. War ja für die Bauindustrie ja auch so bequem und günstig, das Zeug! Heute gelten Gebäude, in denen Asbest verbaut wurde, als Sondermüll! Der Zusammenhang mit Lungenkrebs ist eindeutig festgestellt.
(Gerade wird in Köln das riesengroße Hochhaus der Deutschen Welle wegen Asbestbelastung zurückgebaut. http://www.bst-ob.de/abbruch-der-deutschen-welle-wird-zur-mammutaufgabe/)
Von daher ist mein Glaube an die Gutachten der Fachleute bezüglich Glyphosat recht eingeschränkt. Sie können recht haben, dass es für den Menschen ( bei richtiger Anwendung) nicht toxisch ist, sie können genauso gut unrecht haben. ICH persönlich kann es nicht beurteilen. Abseits von jeder Panikmache kann ich von mir aus einräumen: das Zeug soll weiterhin bestehen bleiben, aber auf die Menge der Ausbringung soll deutlich besser geachtet werden! Das wäre MEIN Kompromiss, den ich innerlich anbieten kann.

*******
Ja, es gibt Bestimmungen für die Zulassung von PSM. Aber wer hat sie auf Grund von welchen Gutachten gemacht?
Wer? Das sind keine qualifizierten Wissenschaftler, die schon ewig unabhängig zu Glyphosat forschen. Das sind Leute, die selber in Gutachten und Doktorarbeiten schmökern müssen, das sind Politiker und Amtsschimmel, die darauf angewiesen sind, dass man ihnen Informationen gibt. Und diese Informationen können ( müssen nicht, aber können) bewusst falsch gewichtet sein.

*******
Dass schwere Maschinen den Boden verdichten, schreibst Du, ist unbestritten. Was hat das mit Glyphosat zu tun?, fragst Du. Wenn gepflügt wird, fährst Du fort, wird doch auch der Unterboden verdichtet?
Ich sage dazu: Es kommt auf den Pflug an! Ein mittlerer Trecker mit nem Pflug daran, richtet lange nicht soviel Verdichtung an, wie die sehr großen, schweren Maschinen. Ich erinnere noch einmal an den Feldtag und die Exempel, die ich mir dort angucken durfte.
Mit Glyphosat hat das nichts zu tun. Es hat etwas mit der Beeinflussbarkeit der Bauern zu tun und deshalb habe ich es auch geschrieben. Wenn die die Empfehlung bekommen, von ihren Maschinenzulieferern, wie phantastisch so ein neues Gerät ist, dann kaufen die das offenbar auch. Dazu gehört, dass sie seit sicher 15 Jahren, insbesonders durch verschärfte Auflagen bei der Tierhaltung, per Gesetz gezwungen sind, zu modernisieren. Das verstärkt die Neigung zu neueren, schwereren, "besseren" Maschinen. Die Hoffnung dahinter ist, dass sie sich "rechnen".
Das kann auch wunderbar gut gehen! Wenn ich hier die hochindustrialisierte Rübenente anschaue, ist das wirklich toll!

War ja Zufall, dass ich mit dabei war, als auf dem Feldtag an Beispielen gezeigt wurde, wie Bodenverdichtung durch Drüberfahren beim Getreidewuchs aussieht.
Die Bauern mit dem schweren Maschinenzeug, überlegten sich dann, wie sie ihre Fahrrinnen besser ordnen. Sie mehrmals benutzen, oder einfach einen Teil des Feldes von vorn herein als "Weg" einplanen.

Ja, sogar das normale Pflügen trägt zur Erosion und damit zum Humusabbau bei! Nun die Gegenfrage: Was hat das mit Glyphosat zu tun? Die Glyphosatfelder werden doch genauso gepflügt?! Nur mit dem Unterschied, dass das oberflächlich aufgebrachte Glyphosat durch den Wind ( und mit dem Staub) auch noch gut in der Gegend verteilt wird.
Zu Leuten, die es gar nicht haben wollen. Und die dann ihre Produkte, wegen der nachgewiesenen Belastung, nicht mehr als "biologisch" verkaufen können. So läuft hier gerade ein Prozess eines Biobauern in Lichtenau ( Entfernung von mir 25 km, stand in der örtlichen Presse) diesbezüglich gegen seinen konventionellen Nachbarn. Er will Schadenersatz für Ernten, die er (wegen der nachgewiesenen Glyphosatbelastung) nicht mehr auf dem Bio-Markt an Großhändler (wie Rewe, Lidl) verkaufen kann, in einem 5stelligen Tausenderbetrag.
Und Greening-Pflanzen werden natürlich untergepflügt, diesmal um den Boden mit Humus anzureichern.

******
Ein Totalherbizid schädigt natürlich Pflanzen, dazu ist es, wie Du schreibst, ja genau da. Kein Glyphosatbefürworter sieht das anders. Ich schrieb, dass selbst Glyposatbefürworter einräumen, dass es die Artenvielfalt der Flora schädigt! Und dass Befürworter der Neonicotinoide einräumen, dass es die Insektenwelt schädigt!
Und was ICH möchte, ist, dass sie vielleicht mal überlegen, welche Ackerunkräuter sie unbedingt vernichten müssen, also, keine Totalherbizide einsetzen. Und zum zweiten die Räume des Einsatzes begrenzter werden.

Ich sehe zum Beispiel diese wunderbaren Zuckerrübenkulturen hier in der Börde.
Kann mir EIN vernünftiger Mensch mal erklären, war um da kein Klatschmohn und keine Kornblumen zwischenwachsen sollen? Oder Klee? Der noch den Boden lockert und düngt? Beim maschinellen Ernten der schweren Rüben würden die feinen Pflanzen nicht ins Gewicht fallen. WARUM muss man Rübenäcker vor dem Ausbringen der Saat von solchen Pflanzen freispritzen?
Für die Insekten wäre das besser, und wenn Randstreifen nicht mehr mit abgetötet würden, wäre es für die florale Artenvielfalt besser.

Häuser kann man schließlich auch ohne Asbest bauen, und Autos fahren auch ohne Diesel.

Lieben Gruß,
Anjoli




RE: Neues zu Glyphosat - Brigitte - 11.12.17

Daß man Fachleuten nicht blind vertraut ist ja OK.
Daß man stattdessen Politikern und Aktivisten vertraut, egal, ob die ihre Behauptungen belegen können, finde ich falsch.

Natürlich hast du recht: Wissenschaftler müssen unabhängig arbeiten. Unabhängig von Industrie und Politik.
Frau Künast hat mal dazu gesagt:
"Der gesundheitliche Verbraucherschutz in Deutschland und in der ganzen EU musste neu organisiert werden. Hinter dieser funktionellen und strukturellen Trennung steckt der Gedanke, dass die Bewertung von Risiken unabhängig erfolgen muss. Erstens unabhängig von politischen Erwägungen, zweitens unabhängig von wirtschaftlichen Interessen und drittens auch unabhängig von den Anforderungen des Krisenmanagements. Wer Risiken bewertet, muss in erster Linie zwei Dingen verpflichtet sein: Den Grundsätzen der Wissenschaft und der Verantwortung gegenüber den Menschen. Wer Risiken bewertet, muss das unvoreingenommen tun können – ohne Schere im Kopf."

Recht hatte sie!
Aus diesem Grund wurde auf ihr Betreiben das BfR gegründet.

Und das war dann solange in Ordnung, bis sich das BfR erdreistet hat, Erkenntnisse bekannt zu geben, die den politischen Zielen der Grünen widersprechen.
Jetzt ists auf einmal eine total unseriöse Institution, der man nicht über den Weg trauen kann.
Es kann doch irgendwie nicht angehen, daß man Studien nur dann anerkennt, solange einem die Ergebnisse in den Kram passen. Und daß man nur dann "cui bono" fragt, wenns um Andersdenkende geht.

Zitat:Die Glyphosatfelder werden doch genauso gepflügt?!
Nicht zwangsläufig. Stichwort pflugloser Anbau.

Zitat:Ich schrieb, dass selbst Glyposatbefürworter einräumen, dass es die Artenvielfalt der Flora schädigt!
Nein, du hast geschrieben
"wenn Menschen in der Lage sind, ein Zeug wie Glyphosat herzustellen ..., sind sie auch in der Lage, andere Mittel herzustellen, die das Gleiche bewirken, ohne weltweit die Vegetation zu schädigen oder die Tierwelt. Diese beiden Punkte werden selbst von Glyphosatbefürwortern... nicht bestritten."

Wie sollte ein Mittel dasselbe bewirken wie Glyphosat (Unkräuter abtöten) ohne die Vegetation zu schädigen?







RE: Neues zu Glyphosat - Anjoli - 12.12.17

Liebe Brigitte,

bitte keine Haarspalterei! Gut, ich habe an einer Stelle ein ungenaues Wort benutzt!
An Stelle von "Vegetation" müsste in dem von Dir zitierten Text das Wort "Artenvielfalt" stehen.
Nochmal genauer: Auch Glyphosatbefürworter räumen ein, dass die pflanzliche Artenvielfalt geschädigt wird. Auch Befürworter von Neonicotinoiden räumen ein, dass die Mittel auch die Population von Nutzinsekten wie Bienen schädigen können.

Ich denke aber, was ich meinte, ist aus meinem Text durchaus hervorgegangen.
Nochmal: Es MUSS keine Totalherbizide geben, um bestimmte, tatsächlich störende Ackerunkräuter zu beseitigen. Es ist NICHT nötig, dass Totalherbizede selbst auf Randstreifen willkürlich ausgebracht werden!

Stichwort: pflugloser Anbau bei Glyphosatfeldern. Brigitte, ich bewundere Deinen Optimismus! Pfluglosen Anbau gibt es - so viel ich weiß - heute bei einigen, immer noch sehr wenigen Biobetrieben, die bewusst auf Mischkulturen setzen. Ein Pflanzenelement wird angebaut, um für das zweite den Boden aufzuschließen und zu lockern. Mischkulturen dieser Art stehen der Anwendung von Glyphosat entgegen.
Erst muss das Zeug ja maschinell auf den Acker drauf. Dann wird gepflügt, geggt, und dann wird in der Regel EINE Turbosorte angebaut, die ohne vorherige Bodenlockerung auch nicht gediehe.
Was allerdings stimmt: Bei Glyphosat wird weniger tief gepflügt.

BfR.
Ich habe das mitgekriegt, mit den Plagiatsvorwürfen an das BfR. Ich meine, das ist so ein bisschen die crux: Das Amt für Risikobewertung muss nicht selber wissenschaftlich arbeiten, die müssen alle möglichen Gutachten zusammensuchen und zusammenstellen, und daraus eine Meinung ableiten. Bis jetzt hat das auch immer gereicht. Hier ist es nur so, dass Monsanto offenbar bei viel mehr Gutachten finanziell die Finger im Spiel hatte, als es bei vergleichbaren Bewertungen anderer Substanzen und anderer Firmen der Fall war. Die zweifelhafte Beeinflussung dieser Gutachten wurde aber vom BfR nicht geprüft, sondern ihre Inhalte zur Bewertung schlicht aneinander gestellt.

Ob das nun alles richtig oder falsch ist, ICH kann es nicht beurteilen. Cui bono? Nun, die positive Prüfung hilft vor allem dem verkaufenden Konzern. Gegenfrage: Was würde es denn den Grünen schaden, oder dem BUND, oder sonstigen Naturschutzorganisationen, wenn das wirklich so ein tolles, absolut unbedenkliches Mittel wäre? Alle Landwirte würden jubeln, alle Verbraucher würden sich freuen, die Naturschutzorganisationen stünden dahinter-- alles wäre gut.
Irgendwo müssen deren Bedenken schon herkommen, nehme ich an. Ich glaube nicht, dass soviel Theater lediglich um heiße Luft gemacht wird.
Aber es ist auch nicht so, dass ich ihnen vertraue. Ich versuche nur, so gut es geht, abzuwägen.

Habe ich erzählt, dass ich beinahe ein Vioxx-Opfer wurde? Bei dem Mittel waren keine Grünen auf dem Plan, auch keine sonstigen Organisationen. Entscheidend für die Zulassung war das BfArM, was ganz ähnlich arbeitet wie das BfR. Auch hier: Gutachten werden gesammelt, zusammengetragen und dann das Zeug anhand der Gutachten bewertet. Also, Vioxx war ein ganz tolles Zeug! Ein neues Rheumamittel. Super gegen Rückenschmerzen! Mein Schwager Michael ( niedergelassener Orthopäde) war komplett begeistert! "Jetzt habe ich etwas, was dir todsicher hilft, Anjoli!" 
Gottseidank war es mein Schwager! Gottseidank lag ich nicht im Krankenhaus und bekam keine Infusionen mit dem Zeug!
Die ersten drei Tabletten habe ich noch klaglos geschluckt, eigentlich in sehr guter Erwartung. Aber schon nach der ersten spürte ich Beeinträchtigungen. Nach der dritten habe ich Michael dann angerufen. "Hör mal Michael, ich weiß es auch nicht, aber ich bekomme Herzrasen von dem Zeug!"
Michael: "Das kann eigentlich nicht sein! Hast du mal Blutdruck gemessen?"
"Ja. 220 zu 98."
"Hast du sonst irgendwas gemacht, was den Blutdruck hochtreibt? "
"Nein."
"Dann setz die Pillen ab!"

Glück für mich. Die ersten Todesopfer durch Herzprobleme unter Vioxx kamen erst zeitlich etwas später. Dann wurde das Mittel vom Markt genommen.
Und da war keine vorherige Hysterie beteiligt, nix.

LG
Anjoli




RE: Neues zu Glyphosat - Anjoli - 12.12.17

Und ich LIEBE das Folgepräpatat der selben Firma! Ich will jetzt hier den Namen nicht nennen, jedenfalls mit A. Es kam vielleicht ein 3/4 Jahr später auf den Markt. Ich habe seit 2005 davon keinerlei Beeinträchtigungen!

Allerdings war dann die Ärztewelt so aufgewickelt, dass es mir mein Hausarzt zumindest nicht verschreiben wollte. Er zeigte mir eine warnende Rundschrift des BfArM, wonach auch dieses Mittel schwere Herz- und Kreislaufprobleme hervorriefe. Auch im Krankenhaus bekomme ich es heute noch nicht. Wenn ich dort bin, muss ich meine Pillen immer mitbringen - und auf eigene Verantwortung schlucken.
Ich glaube, in den USA ist es bis heute nicht zugelassen.

Ich bekam das Mittel lange Jahre von Michael, der es mir aber auch nicht verschrieb, sondern Proben von Vertretern für mich sammelte. Es wirkt so gut, dass ich es auch nicht lange nehmen muss, etwa zwei bis drei Tage reichen.

Du siehst, es geht mir nicht ums Prinzip, dass ich etwas ablehne, weil ich es aus Hysterie/Angst oder aus politischen oder sonstigen Gründen will.

Ich versuche immer abzuwägen. Und wie bei diesem Mittel, meine ich, dass auch Herbizide weiterentwickelt und zu insgesamt besserer Nützlichkeit verändert werden können.

LG
Anjoli


RE: Neues zu Glyphosat - Brigitte - 12.12.17

(12.12.17, 00:01)Anjoli schrieb:  bitte keine Haarspalterei!
Es war eine Nachfrage, weil ich nicht verstanden hatte, was du eigentlich meinst. Du hast geschrieben, daß es doch möglich sein müßte, ein Mittel zu entwickeln, das dieselbe Wirkung hat wie Glyphosat (also ein Totalherbizid. Wenns nur gegen bestimmte Pflanzen wirkte, hätte es ja nicht dieselbe Wirkung.)
Gleichzeitig solle es die Artenvielfalt nicht so sehr schädigen wie Glyphosat.

Offensichtlich hast du aber was ganz anderes gemeint. Nämlich, daß Totalherbizide generell nicht mehr angewendet werden sollten.

Das hat dann aber mit der Zulassung oder Verbot von Glyphosat nicht mehr viel zu tun. Denn dann geht es dir ja um eine grundsätzliche Entscheidung gegen Totalherbizide.

Zitat:Nochmal genauer: Auch Glyphosatbefürworter räumen ein, dass die pflanzliche Artenvielfalt geschädigt wird.
Aber doch nur, weil auf Anbauflächen nunmal keine Wildpflanzen geduldet werden. Oder gibt es Glyphosatbefürworter, die einräumen, daß Glyphosat die Artenvielfalt stärker schädigt, als andere Totalherbizide?

Zitat:Nochmal: Es MUSS keine Totalherbizide geben, um bestimmte, tatsächlich störende Ackerunkräuter zu beseitigen.
Eine gewagte Aussage. Das sehen viele Landwirte offensichtlich anders.

Ich denke, daß ein verunkrautetes Feld weniger Ertrag liefern wird, als eins auf dem Licht, Wasser und Nährstoffe nur der angebauten Kultur zugute kommen.
Und angesichts der immer kleiner werdenden Flächen, sollten die m.E. so effektiv wie möglich genutzt werden.

Zitat:Stichwort: pflugloser Anbau bei Glyphosatfeldern. Brigitte, ich bewundere Deinen Optimismus! Pfluglosen Anbau gibt es - so viel ich weiß - heute bei einigen, immer noch sehr wenigen Biobetrieben, die bewusst auf Mischkulturen setzen.
Nö. Da habe ich anderes gelesen.
Es gibt unterschiedliche Methoden.
Durchaus auch im konventionellen Anbau. Auch in Kombination mit Herbiziden mit denen vor der Aussaat die keimenden Unkräuter beseitigt werden.

Zitat:Ich habe das mitgekriegt, mit den Plagiatsvorwürfen an das BfR. Ich meine, das ist so ein bisschen die crux: Das Amt für Risikobewertung muss nicht selber wissenschaftlich arbeiten, die müssen alle möglichen Gutachten zusammensuchen und zusammenstellen, und daraus eine Meinung ableiten.
Ich fand die Erwiderung des BfR überzeugend.
Warum sollte nicht aus den Studien der Hersteller zitiert werden, wenn die nach Prüfung als zutreffend bewertet werden?
Du unterstellst dem BfR, es habe Aussagen ungeprüft übernommen. Soweit ich weiß, wurde dieser Vorwurf aber nicht belegt.

Daß der Steuerzahler nicht für Studien bezahlen muß, durch die Privatunternehmen später verdienen, finde ich übrigens in Ordnung.

Zitat:
Cui bono? Nun, die positive Prüfung hilft vor allem dem verkaufenden Konzern.
Und die Bewertung als wahrscheinlich krebserregend hilft den amerikanischen Anwaltsfirmen, die zur Zeit Sammelklagen gegen Monsanto laufen haben.
Und auf deren Gehaltsliste steht ein Berater der an maßgeblicher Stelle beim IARC arbeitet. 160 000 Dollar soll Christopher Portier von den Anwaltsfirmen bekommen haben. Und das ist nicht sein einziger Interessenkonflikt.
Wieso gibt das keinem Glyphosatgegner zu denken?

Zitat:Was würde es denn den Grünen schaden, oder dem BUND, oder sonstigen Naturschutzorganisationen, wenn das wirklich so ein tolles, absolut unbedenkliches Mittel wäre?
Das hatte ich doch schon geschrieben: Es geht nicht um ein PSM, es geht um die angestrebte Agrarwende.
Die Kampagne gegen Glyphosat bringt Wählerstimmen, Spendengelder.

(Auf Astbest, Neonicotinoide, Medikamente etc. gehe ich nicht ein, weil ich nichts drüber weiß und auch denke, daß das andere Themen sind.)