Kraut und Rosen
Vogelgschichten - Druckversion

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RE: Vogelgschichten - Unkrautaufesserin - 08.06.15

Danke, liebe Lilli,

für Deinen wunderbaren Bericht! Man kann das Gezwitscher und Geschrei fast hören...

Hier ist dieses Jahr auch viel Geschrei ums Haus. Nachdem letztes Jahr nur sehr wenige Vögel unterwegs waren, bin ich doch über die Vogelschar jetzt dankbar, auch wenn ich manchmal sogar aufwache wegen des morgendlichen Geschreis.

Stare, Sperlinge und ein Gartenrotschwanz brüten in Kästen, und viele füttern schon die zweite Brut. Eine Bachstelze füttert auch, hat aber ihr Nest irgendwo anders. Bei mir pickt sie nur. Ein Sperling hat ein Nest hinter die Holzverplankung des Giebels gequetscht, sehr zum Mißfallen des Liebsten. Er darf dieses Jahr dort brüten, aber dann machen wir die Lücke dicht. Und die Amsel, die ein Nest auf die Wäschestützen unter die Scheunenauffahrt bastelte, hat es wieder aufgegeben. Wahrscheinlich zu viel Durchgangsverkehr sad aber auf der anderen Hausseite brüten auch welche. Der Amselmann singt jeden Abend auf dem Hausdach ein herrliches Lied - wie habe ich das Amsellied letztes Jahr vermißt...

Und dann ist da noch ein Vogel, den ich nicht bestimmen kann. Er sieht braun aus, und das Lied kenne ich nicht. Aber er verteidigt energisch den Deckel der Kläranlage - dort schütte ich die ausgehobenen Ameisennester hin...:laugh:

Liebe Grüße, Mechthild


RE: Vogelgschichten - betulapferd - 12.06.15

Meine Vogelgeschichte:
Seit einer Woche gibt es in meinem Garten eine verletzte Amsel. Sie hat einen schiefen Schwanz und am Schnabel hängt immer irgendetwas bleibendes. Als ich sie das erste Mal sah, dachte ich -die macht es nicht mehr lange - weil sie nicht mehr so gut fliegen konnte und eben im Garten diverse Katzen streunen. Mein inzwischen 19-jähriger alter Kater Mikesch nimmt sie zwar wahr, aber ist definitiv zu alt um zu jagen wink
Vorgestern hab ich im Kompost gewühlt und sie kam plötzlich sehr nah heran. So nah, dass ich sie beinahe mit der Grabegabel erwischt hätte. Sie machte auch keine Anstalten wegzufliegen. Sie blieb lange so nah und pickte nach Futter.
Gestern hab ich meine Pflanztische gegossen. Plötzlich schoss sie von hinten auf den Tisch direkt unter den Brausestrahl!!! Ich war sehr irritiert und machte sogleich den Wasserstrahl aus. sie hüpfte in meine Richtung, bis auf wenige Zentimeter, stellte den Kopf schief, als wolle sie sagen -mehr!!! (Ich habe überall im Garten riesige Wasserschalen, wo regelmässig viele Vögel baden und trinken.)
Ich redete mit ihr und dann planschte sie in dem wenigen Nass auf dem Tisch. Schließlich zog sie von dannen.
Heute mittag war exakt das gleiche Schauspiel.
Später hab ich sie immer wieder in meiner direkter Nähe gesehen...als wenn sie Kontakt suchen würde.

Morgen werde ich mal den Fotoapparat einstecken...

Sie ist voll süß und hoffe,dass sie noch lange leben wird!

Liebe Grüße von Elke




RE: Vogelgschichten - Lilli - 13.06.15

(12.06.15, 03:20)betulapferd schrieb:  als wenn sie Kontakt suchen würde.

Liebe Elke, das kann gut sein. Bei ihrem Handicap lebt sie ja nicht ungefährlich und so sucht sie möglicherweise Schutz bei dir und fühlt sich in deiner Nähe sicher.

Füll ihr doch beim nächsten Gießen ein extra Plantsch-Schälchen, damit sie nicht auf dem Tisch baden muss smile .

Liebe Grüße, Lilli




RE: Vogelgschichten - Melly - 13.06.15

Tolle Bilder, Lilli!

Zufälllig beim Gießen habe ich den kleinen Zaunkönig entdeckt, der mich da wegscheuchen wollte, er hat sich ein Nest gebaut:

[Bild: DSC_0228.jpg]

LG
Melly


RE: Vogelgschichten - Lilli - 15.06.15

Hallo Melly,

der scheint nicht ungefährlich zu leben. Sie sitzen oft in solchen fragilen Büschen oder Gräsern, wo ein Sturm jederzeit die Nester runterkippen kann. Bei mir auch und das ist leider schon passiert. Dabei gibt's hier soo viele Asthaufen, aber die sind wohl alle schon belegt.
Viel Spaß dir mit den kleinen Gesellen, die du dort ja gut beobachten kannst.

Liebe Grüße, Lilli




RE: Vogelgschichten - Lilli - 20.06.15

Es geht weiter mit den neuen Vögeln.

Kürzlich flog ein Pulk Jungvögel um’s Haus. Bachstelzen waren dabei und gelbe, die bei der Rast auf dem Dach genau so wippten, Gebirgsstelzen, nehme ich an, die ja auch immer hier brüten. Aber kaum wollte ich genauer hinschauen, waren sie wieder weg, kamen zu einer weiteren Runde, aber genau so überraschend und genau so schnell wieder veschwunden.

Von Bachstelzen sah ich kurz drauf ein Foto, das sie, schon ein paar Wochen alt, noch in der Jugendfärbung zeigte. Möglicherweise waren die, die ich gezeigt hatte und die sich wie Jungvögel gebärdet hatten, also doch Erwachsene, die für kurze Zeit das freie Leben genossen und nur am Turteln waren. Ich bin ja nur Beobachterin und Gschichtenerzählerin, da können sich Fehler einschleichen. Märzhase, du weißt da glaub ich mehr, also gerne immer „besserwissen“ und korrigieren.

Als die Stelzen um’s Haus tourten, war ein Grauschnäpper (meine Itschips) besonders aufgebracht. Er hielt sich immer am Saatplatz auf und saß am liebsten auf einem Tomatengerüst.
Sonst immer friedlich, wurde auch ich plötzlich ausgeschimpft, als wär er ein Rotschwänzchen. Bis ich sah, warum er den Saatplatz zu seinem Revier erklärt hat und mich auch beim Tomatenkübelgießen beschimpfte. Denn auf einmal sah ich ihn mit Futter im Schnabel von seinem Tomatenbeobachtungsposten über die Durchfahrt fliegen zu den Pferdeboxen auf der anderen Seite. Heimlich hab ich dann das Ziel genauer beobachtet. Es war ein alter Sicherungskasten, und dort oben war ein Nest hineingequetscht.
Gleich dort musste ich aber immer an die Tonne zum Gießen, da stehen viele Tomatenkübel, das war jetzt ein Spießrutenlaufen. Ich habe immer zum Kasten geschielt, tat aber so, als interessiert mich dieser Kasten üüüberhaupt nicht.

Nachdem die kleinen Itschips schon so einsehbar in ihrem seltsamen Nest saßen, musste ich aber doch zur Kamera greifen. Immer aus respektablem Abstand und nur kurz und lieber später noch einmal. Denn die Vögel, wie auch andere Tiere, spüren genau, ob ich mich jetzt tatsächlich nur für die Tomaten interessiere oder mich auf die Kleinlinge konzentriere. Letzteres wurde nicht geduldet und ich musste das respektieren, sonst wären die Kleinen nicht gefüttert worden.

Und hier sind sie:

Erst die Beobachtungsposten:

[Bild: cznfdsfaqkboto1vr.jpg]

[Bild: cznfery77d9jsnn2f.jpg]

Hier war ich vorher zu nahe am Sicherungskasten und der Itschip flog mir gleich hinterher in den Garten.

[Bild: cznfflodzutlbghon.jpg]

Vor allem angesichts von Eichelhähern und Krähen, die dort rumfliegen, wusste er, dass er etwas riskant und offen gebaut hatte, und ich musste’s jetzt ausbaden.

[Bild: czng3g1jwy90svyiv.jpg]

[Bild: czng49f4dtjq8ppc7.jpg]

Noch im Nest ist Putzen angesagt, sehr zum Missfallen des anderen. Putzen ist eigentlich immer die erste Aktion nach dem Ausflug, der hier ist früh dran:

[Bild: czng51cz4p1azj8g7.jpg]

Fertig, um der Welt entgegenzutreten:

[Bild: czng7gpcdagph343r.jpg]

Der kleinere noch nicht, ihn hat die Putzerei ermüdet:

[Bild: czng9i8nqo55flqiv.jpg]

Aber schon kommt die Stärkung. Nicht nur für 3, sondern für 4 Schnäbel, wie ich auf einem unschärferen Foto erkennen konnte.

[Bild: czngawrqs78k416rr.jpg]

Auch das macht müde:

[Bild: czngfcczl37bp226f.jpg]

Aber nicht mehr, als ich mal ein bisschen näher herankam:

[Bild: cznggdso6of4qdg1z.jpg]

Danach wurde einer zum Aufpassen abgestellt:

[Bild: cznghrd1p2tgivnuv.jpg]

Als ich den einen beim Putzen sah und später groß und aufrecht im Nest sitzen, war klar, jeden Moment konnte es jetzt losgehen mit dem Ausflug. Und dann fiel mir die Tonne ein, die fast unterm Nest steht, ohne Deckel. Zu riskant, fand ich, denn vielleicht geht der erste Flugversuch senkrecht nach unten. Also habe ich nach einer Platte gesucht, groß genug zum Abdecken, aber leicht genug, dass ich sie ständig runternehmen kann. Eine der übrigen Umrandungsplatten vom Hochbeet wurde’s dann. Zu blöd, nie hat’s geregnet, aber ausgerechnet jetzt immer wieder. Denn die Tonne steht unter einer defekten Dachrinne und ich kann sie nicht abklemmen. Natürlich bollerte in der Nachtl das Wasser auf die Platte, was ihr nicht bekam, aber ein Vogelleben ist wichtiger als eine Platte.

Und es war genau zur rechten Zeit. Heute morgen sah ich kurz im Birnbaum ein Kleinchen, dann piepste es nur aus dem Baum und irgendwann folgte dem Piep ein kleines Tschip, das Itschip war also schon gelernt.
Ich ging gleich vorsichtig zum Nest, aber darin saß noch einer. Später folgten noch mehr kleine Pieptschips und jetzt ist das seltsame Nest leer. Am Nachmittag wurde ich immer noch beschimpft, jetzt aber nicht mehr, wenn ich zum Wasser ging, sondern wenn in Richtung Birnbaum.

Inzwischen kann ich wieder in Ruhe die Tomaten gießen und mich freundlich auf itschipsch unterhalten.

Liebe Grüße, Lilli



RE: Vogelgschichten - Erdling - 20.06.15

Lilli, herrlich deine Bilder und die Geschichten dazu.

Hier gibt es auch inzwischen einige zweite Bruten, aus den Nistkästen piept es mal lauter und mal leiser. Habe ja 6 Nistkästen verteilt und 4 sind grad bewohnt. Und auch die Rotschwänzchen brüten ein zweites Mal über der Geräteschuppentür und schimpfen uns aus wenn wir dort was holen müssen, was ja laufen passiert. Aber die sind letztlich doch sehr " unempfindlich" und kennen uns schon. Und die Glyzinie, die dort wächst schirmt auch etwas ab, anders als im Frühjahr, noch ohne nennenswerte Blätter.
Zaunkönige habe ich auch aber die sind gut versteckt, und wo genau das Nest ist, habe ich noch nicht herausgefunden.
Überhaupt gibt es dieses Jahr hier sehr viele mehr Vögel und auch Nester. Na ja, vielleicht bin ich auch noch aufmerksamer als die Jahre zuvor....Dance


RE: Vogelgschichten - Melly - 03.07.15

Ich liebe diese Berichte über die Winzlinge!
Es ist schon ein Wunder, wenn man bedenkt, dass diese kleinen Wesen in dieser Hitze da in ihren Nestern hocken und sich nicht mucken, wenn man mal kurz durch das Gestrüpp schaut.
Ich habe heute festgestellt, es sind nicht nur 3, es sind 4 Jungvögel, es schaut jetzt noch einer mehr aus dem Nest. Die Mutter warnt immer massiv, wenn ich mich nähere.

[Bild: DSC_0496.jpg]

[Bild: DSC_0421.jpg]

Und wie gefährlich der kleine Kerl da mit seinem Nestbau lebt, weiß er wahrscheinlich nicht - noch im Frühjahr hat ein Marder im Pferdeunterstand sein Domizil gehabt, direkt über dem Nest in der Zwischendecke. Immer wenn ich das große Tor aufgezogen habe, tappelte es über mir, das fand auch unser Schäfi nicht so toll. Er scheint jetzt nicht mehr präsent zu sein, sonst wäre das Nest da nicht entstanden.

LG
Melly


RE: Vogelgschichten - Lilli - 04.07.15

Bei mir fliegt grad immer ein Zaunkönig mit Futter im Schnabel im Tiefflug über meine Gartenwerkzeuge am Tennenrand. Dort muss irgendwo in Bodennähe das Nest sein. Weil ich sie eh immer störe, weil ich dort oft bin, will ich nicht noch intensiv suchen, sonst müssen die Kleinchen so lange auf ihr Futter warten.

Aber weil ich dort schon vorher immer war, müssen sie das billigend in Kauf genommen haben. Es sind dieses Jahr extrem viele Zaunkönige, sie scheinen Platzmangel zu haben. Es gibt zwar auch extrem viele Asthaufen, aber es sind ja keine Spatzen, die Nest an Nest bauen.

Der Marder ist dort leider auch und so hoffe ich wie Du, Melly, dass alles gut geht.

Liebe Grüße, Lilli


RE: Vogelgschichten - Frischling - 16.07.15

Bei uns am Gartenhaus haben dieses Jahr Kohlmeisen genistet. Die erste Brut hab ich verpasst, aber die zweite konnte ich beobachten. Sonntag vor einer Woche waren wir dann fast schon besorgt, weil es so heiß war und die Kleinen die Schnäbelchen durch das Einflugloch steckten und nach Luft japsten.

Als wir abends eigentlich weggehen wollten, entdeckte mein Mann plötzlich einen Jungvogel, der vor dem Gartenhaus saß. Zuerst dachten wir, er würde ausfliegen, aber es zeigte sich schnell, dass das Flügelschlagen, das er schon fleißig übte, noch nicht viel brachte. Also haben wir ihn kurzerhand wieder in den Nistkasten "gestopft", was hätten wir sonst tun sollen?



Am Samstagnachmittag wollte ich dann schnell was zum Kompost bringen, als ich mich am Gartenhaus Auge in Auge mit einer jungen Kohlmeise wiederfand:



[Bild: d0dkdwekc3tw33nt5.jpg]



Sie guckte mich etwas skeptisch an, aber kaum war ich um die Ecke, düste sie aus dem Nistkasten und rein in Nachbars Hecke. Der Auszug hatte begonnen! Nr. 1 war sicher die Neugierige, die letzte Woche schon mal testweise rausgehüpft war?!



Nr. 2 habe ich dann den "Hasenfuß" getauft: Sie war zwar recht schnell raus aus dem Nistkasten, aber saß dann fast eine 3/4-Stunde lang auf der Rebe, machte Dehnübungen und starrte verängstigt in die Tiefe. Die Eltern lockten und riefen und brachten zwischendrin Futter:



[Bild: d0dklqrlpcmlq3c5l.jpg]



Nr. 3 (der "Reinliche") hatte immer mal wieder ungeduldig aus dem Kasten geguckt, während der Hasenfuß noch mit seinen Dehnübungen beschäftigt war. Kaum war der Hasenfuß weg, hüpfte der Reinliche auf die Nistkastenkante, rutschte ab und stürzte in die Blumenampel, wo er erst mal verdattert sitzen blieb (leider nicht so gut zu sehen):



[Bild: d0dko57iidw1kl6x5.jpg]



Aber nach dem ersten Schreck fing er dann an, sich ausgiebig zu putzen. Mama kam zwischendrin mal vorbei und trug die Hinterlassenschaft davon, aber die Putzorgie war immer noch nicht zu Ende. Als er sich nach einer halben Stunde - wohl etwas erschreckt durch meine Fotografiererei - dann schließlich doch auf den Weg machte, suchte er sich als Zwischenlandeplatz die Schulter meines Mannes aus biggrin, war dann aber doch schnell weg, als er seinen Irrtum bemerkte.



Ich bin gespannt, ob sie bald - wie die Eltern - am Erdnusshäuschen erscheinen, um neben den traditionellen Ernährungsweisen auch das "Fast Food" kennenzulernen?