08.12.17, 18:20
Seht interessant, dieses Thema hier! 
Nicht NUR Glyphosat führt zur Artenarmut, sondern jedes chemische Unkrautvernichtungsmittel. Ich denke nur, inzwischen wird das Wort "Glyphosat" in der breiten Bevölkerung zu einem Synonym für "chemische Unkrautvernichtung", ungeachtet der Tatsache, dass es zig weitere Stoffe gibt, die das Gleiche tun, und überdies Zeug wie Neonicotinoide, die für die Artenvielfalt diesmal der Insekten deutlich schädlicher sind.
Jetzt: Warum führt Hacken und Pflügen NICHT zu floraler Artenarmut? Hacken und Pflügen wird auf dem Acker selbst durchgeführt, nicht auf den Randstreifen. Beim Hacken und Pflügen auf Äckern bleiben die Samen der (Un)-Kräuter aktiv im Boden erhalten.
Glyphosat (und seine Verwandten) werden jährlich mindestens zweimal angewendet. Im Frühjahr vor der Aussaat ( alles was an Wildkräutern keimen könnte, wird vernichtet) und kurz vor der Fruchtreife des Getreides / der Kartoffeln. Die Getreidehalme gehen jetzt ein, die Kartoffelpflanzen auch - und, natürlich, was sonst noch im Boden als Samen lebte und der ersten Behandlung entronnen ist.
Nach fünf Jahren dieser "Kur", ist auf den Ackerflächen, aber auch auf den Randstreifen zu Straßen und Wegen, alles kaputt, was dort einmal als Wildpflanzen lebte. Die 'wilde' Vegetation kann sich auch nicht mehr erholen, weil die Samenreserven fehlen.
Seit 40 Jahren wird Glyphosat nun weltweit angewandt, mit deutlicher Zunahme in den letzten zwei Jahrzehnten.
Zur Ernte des Getreides und der Kartoffeln ( ich kann mich nur darauf beziehen, denn alles andere weltweit kenne ich nicht): Die Körnerstände des heutigen "Turbogetreides" sind so mächtig, dass sie den Halm beim Ausreifen knicken würden. Das ist ungünstig für die Ernte. Also wird kurz vor der Ernte das Getreide getötet, um das Weiterreifen zu hindern, während die Halme noch stehen. Die noch nicht ganz ausgereiften Getreidekörner reifen dann in Säcken nach.
Bei Kartoffeln ist es einfach günstig, wenn das lästige Kraut weg ist, und verblasst und verdorrt am Boden liegt. Dann kann man problemlos mit den richtigen Erntemaschinen drüberfahren und die Kartoffeln ausmachen.
*******
Du hast recht Brigitte, wenn 'greening' nicht vernünftig durchgeführt wird, liegt es nicht am Glyphosat. Für mich liegt das an einer Art "Hintergehmentalität", die von den großen Saatgutfirmen gefördert wird. Man tut gerade das Nötigste, um den Schein zu wahren, und streicht dafür Subventionen ein.
@ Wolfgang:
Klar, könnten die Bauern auch nektarreiche und pollenreiche Pflanzen verwenden ( auch Mohn und Kornblumen) - sie müssten sie sich nur größere Mühe geben, die keimenden Samen im nächsten Jahr chemisch umzubringen. Aber vielleicht gibt es da irgendeine Klausel in den Richtlinien, dass sie es bei Ausgleichsflächen eben NICHT tun sollen?
Sonst macht ihr Gebaren nämlich keinen Sinn. - Und ich habe den Prospekt da, mit den Angaben zu den Ausgleichspflanzen, den Angaben wann was am besten untergepflügt werden soll, bevor es sich aussamt, und der scheinheiligen Überschrift: "Für greening geeigent".
*******
Nochmal @Wolfgang, diesmal thematisch zu den kleineren Bauern:
Ich kenne tatsächlich nur drei davon längere Zeit persönlich, und zwar noch aus der Zeit, als ich im Bergischen Land lebte. ( 1984 bis 2012. Dann zog ich wieder nach Dortmund, und erst seit zwei Jahren wohne ich in der Warburger Börde.)
Jedenfalls, einer dieser Bauern war mein Vermieter, ich lebte dort auf dem Hof, der zweite sein Freund um die Ecke, und der dritte, der Nachbar unten, hatte einen Spielfreund-Sohn im Alter meiner Söhne. Das waren also recht enge Bezüge.
Alle drei hatten sich nicht dem Wettbewerb um Vergrößerung und Subventionen angeschlossen.
Ihr erstes Überlebens-Problem war die Gesetzgebung, sie wurde derart verschärft, dass sie ihre Kühe nicht mehr halten konnten. Es gab auf einmal Auflagen an die Größe der Boxen, an Sauberkeit und Ordnung, veterinäre Vorschriften, wie Milch behandelt und geprüft werden musste. Das konnten sie nicht erfüllen, also gaben sie die Kühe auf.
Weiter ging es zu den Schweinen: Auch hier gab es auf einmal Auflagen.
Das waren DREI alte, gestandene Höfe, okay? Schon die Ur-Ur- Urgroßeltern hatten sie bewirtschaftet.
Nach dem letztgenannten Bauern ist nicht nur eine Bushaltestelle benannt, sondern ein ganzer Landstrich. Dieser hatte die Schweine in weiser Voraussicht von sich aus aufgegeben, den anderen beiden wurden sie vom Veterinäramt fortgenommen. Deren Haltung wurde ihnen verboten, wenn sie nicht die Auflagen erfüllten.
Das hätte aber bedeutet zu modernisieren, die Ställe auszubauen, für Kühe neue Melkanlagen anzuschaffen, kurz: hohe Kredite aufzunehmen! Und genau das haben sie nicht getan.
Sie befanden sich in einer Schere zwischen dem Althergebrachten und den neuen gesetzlichen Anforderungen. Sie waren quasi gezwungen, entweder - gegen ihren Willen und ihre Kapazitäten -ordentlich zu investieren, ordentlich Schulden zu machen, oder kleinkrämerisch einzugehen.
Nun sind sie tot.
Der Spielfreund meiner Söhne ist lieber Arzt geworden, als die Landwirtschaft weiterzuführen. Und die Väter, die älteren Bauern, waren zu alt, um nochmal auf "Bio" umzuschwenken. Mein Vermieter wurde "Marktbauer", er verkaufte auf Märkten Kartoffeln und Kräuter, sein Freund machte einen Hofladen auf, mit Honig und Marmelade und Kuchen, und der dritte, mit dem Arztsohn, ging in eine Regenschirmfabrik als Arbeiter.
Für heute einen lieben Gruß,
Anjoli
Ps: Milch hat eine kleine Zeit noch international funktioniert, der versprochene Segen ( für große Investitionen) aus dem weltweiten Handel mit Getreide aber nicht.

Brigitte schrieb:Nicht Glyphosat führt zu Artenarmut.Das ist - eingeschränkt - völlig richtig!
Nicht NUR Glyphosat führt zur Artenarmut, sondern jedes chemische Unkrautvernichtungsmittel. Ich denke nur, inzwischen wird das Wort "Glyphosat" in der breiten Bevölkerung zu einem Synonym für "chemische Unkrautvernichtung", ungeachtet der Tatsache, dass es zig weitere Stoffe gibt, die das Gleiche tun, und überdies Zeug wie Neonicotinoide, die für die Artenvielfalt diesmal der Insekten deutlich schädlicher sind.
Jetzt: Warum führt Hacken und Pflügen NICHT zu floraler Artenarmut? Hacken und Pflügen wird auf dem Acker selbst durchgeführt, nicht auf den Randstreifen. Beim Hacken und Pflügen auf Äckern bleiben die Samen der (Un)-Kräuter aktiv im Boden erhalten.
Glyphosat (und seine Verwandten) werden jährlich mindestens zweimal angewendet. Im Frühjahr vor der Aussaat ( alles was an Wildkräutern keimen könnte, wird vernichtet) und kurz vor der Fruchtreife des Getreides / der Kartoffeln. Die Getreidehalme gehen jetzt ein, die Kartoffelpflanzen auch - und, natürlich, was sonst noch im Boden als Samen lebte und der ersten Behandlung entronnen ist.
Nach fünf Jahren dieser "Kur", ist auf den Ackerflächen, aber auch auf den Randstreifen zu Straßen und Wegen, alles kaputt, was dort einmal als Wildpflanzen lebte. Die 'wilde' Vegetation kann sich auch nicht mehr erholen, weil die Samenreserven fehlen.
Seit 40 Jahren wird Glyphosat nun weltweit angewandt, mit deutlicher Zunahme in den letzten zwei Jahrzehnten.
Zur Ernte des Getreides und der Kartoffeln ( ich kann mich nur darauf beziehen, denn alles andere weltweit kenne ich nicht): Die Körnerstände des heutigen "Turbogetreides" sind so mächtig, dass sie den Halm beim Ausreifen knicken würden. Das ist ungünstig für die Ernte. Also wird kurz vor der Ernte das Getreide getötet, um das Weiterreifen zu hindern, während die Halme noch stehen. Die noch nicht ganz ausgereiften Getreidekörner reifen dann in Säcken nach.
Bei Kartoffeln ist es einfach günstig, wenn das lästige Kraut weg ist, und verblasst und verdorrt am Boden liegt. Dann kann man problemlos mit den richtigen Erntemaschinen drüberfahren und die Kartoffeln ausmachen.
*******
Du hast recht Brigitte, wenn 'greening' nicht vernünftig durchgeführt wird, liegt es nicht am Glyphosat. Für mich liegt das an einer Art "Hintergehmentalität", die von den großen Saatgutfirmen gefördert wird. Man tut gerade das Nötigste, um den Schein zu wahren, und streicht dafür Subventionen ein.
@ Wolfgang:
Klar, könnten die Bauern auch nektarreiche und pollenreiche Pflanzen verwenden ( auch Mohn und Kornblumen) - sie müssten sie sich nur größere Mühe geben, die keimenden Samen im nächsten Jahr chemisch umzubringen. Aber vielleicht gibt es da irgendeine Klausel in den Richtlinien, dass sie es bei Ausgleichsflächen eben NICHT tun sollen?
Sonst macht ihr Gebaren nämlich keinen Sinn. - Und ich habe den Prospekt da, mit den Angaben zu den Ausgleichspflanzen, den Angaben wann was am besten untergepflügt werden soll, bevor es sich aussamt, und der scheinheiligen Überschrift: "Für greening geeigent".
*******
Nochmal @Wolfgang, diesmal thematisch zu den kleineren Bauern:
Ich kenne tatsächlich nur drei davon längere Zeit persönlich, und zwar noch aus der Zeit, als ich im Bergischen Land lebte. ( 1984 bis 2012. Dann zog ich wieder nach Dortmund, und erst seit zwei Jahren wohne ich in der Warburger Börde.)
Jedenfalls, einer dieser Bauern war mein Vermieter, ich lebte dort auf dem Hof, der zweite sein Freund um die Ecke, und der dritte, der Nachbar unten, hatte einen Spielfreund-Sohn im Alter meiner Söhne. Das waren also recht enge Bezüge.
Alle drei hatten sich nicht dem Wettbewerb um Vergrößerung und Subventionen angeschlossen.
Ihr erstes Überlebens-Problem war die Gesetzgebung, sie wurde derart verschärft, dass sie ihre Kühe nicht mehr halten konnten. Es gab auf einmal Auflagen an die Größe der Boxen, an Sauberkeit und Ordnung, veterinäre Vorschriften, wie Milch behandelt und geprüft werden musste. Das konnten sie nicht erfüllen, also gaben sie die Kühe auf.
Weiter ging es zu den Schweinen: Auch hier gab es auf einmal Auflagen.
Das waren DREI alte, gestandene Höfe, okay? Schon die Ur-Ur- Urgroßeltern hatten sie bewirtschaftet.
Nach dem letztgenannten Bauern ist nicht nur eine Bushaltestelle benannt, sondern ein ganzer Landstrich. Dieser hatte die Schweine in weiser Voraussicht von sich aus aufgegeben, den anderen beiden wurden sie vom Veterinäramt fortgenommen. Deren Haltung wurde ihnen verboten, wenn sie nicht die Auflagen erfüllten.
Das hätte aber bedeutet zu modernisieren, die Ställe auszubauen, für Kühe neue Melkanlagen anzuschaffen, kurz: hohe Kredite aufzunehmen! Und genau das haben sie nicht getan.
Sie befanden sich in einer Schere zwischen dem Althergebrachten und den neuen gesetzlichen Anforderungen. Sie waren quasi gezwungen, entweder - gegen ihren Willen und ihre Kapazitäten -ordentlich zu investieren, ordentlich Schulden zu machen, oder kleinkrämerisch einzugehen.
Nun sind sie tot.
Der Spielfreund meiner Söhne ist lieber Arzt geworden, als die Landwirtschaft weiterzuführen. Und die Väter, die älteren Bauern, waren zu alt, um nochmal auf "Bio" umzuschwenken. Mein Vermieter wurde "Marktbauer", er verkaufte auf Märkten Kartoffeln und Kräuter, sein Freund machte einen Hofladen auf, mit Honig und Marmelade und Kuchen, und der dritte, mit dem Arztsohn, ging in eine Regenschirmfabrik als Arbeiter.
Für heute einen lieben Gruß,
Anjoli
Ps: Milch hat eine kleine Zeit noch international funktioniert, der versprochene Segen ( für große Investitionen) aus dem weltweiten Handel mit Getreide aber nicht.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 09.12.17, 23:58 von Anjoli.)