08.04.14, 13:26
(07.04.14, 17:11)Julius schrieb: Ich stolpere immer wieder über die entmineralisierten Böden. Naturwissenschaft war noch nie meine Stärke, könnte mir das bitte mal jemand erklären? Welche Mineralien fehlen denn und wenn sie ursprünglich mal im Boden waren, wo sind sie dann hin? Wahrscheinlich eine echt blöde Frage, aber sie beschäftigt mich wirklich.
Das kann ich ausnahmsweise:
Jeder Boden enthält Mineralien in unterschiedlichen, seinem Typ entsprechenden Zusammensetzungen.
Hauptsächlich handelt es sich dabei um die Salzbestandteile Magnesium und Kalium, Kalzium und Phosphor.
Diese sind wichtige Pflanzennährstoffe und werden von ihnen aus dem Boden herausgelöst und aufgenommen. Stirbt die Pflanze ab, verrottet sie an Ort und Stelle, und die Mineralien sind wieder im Boden verfügbar für die nächste Pflanze. Wird die Pflanze nun aber geerntet und gegessen oder verbrannt, oder durch Wild- oder Haustiere abgeweidet, gelangen die Mineralien nicht wieder an ihren Ursprungsort, und die Böden verarmen. Das heißt, die nächsten Pflanzen haben weniger Mineralien zur Verfügung, wachsen schlechter und bringen weniger Ertrag.
Diesem Mechanismus versucht man in Europa seit dem Mittelalter durch Düngung entgegenzuwirken. Anfangs brachte man den Mist der Tiere und Menschen, die Asche des Holzfeuers und die Knochen der geschlachteten Tiere wieder auf den Feldern aus. So entstand ein Kreislauf, der zwar nicht ganz verlustfrei arbeitete, aber doch recht effektiv.
In den Indigenen Kulturen des Amazonas wurde ein ähnliches Prinzip verfolgt, und so die Terra Preta geschaffen.
Dann begannen die Menschen, sich in immer größeren Städten zu sammeln, und die Böden konnten die vielen Fäkalien nicht mehr aufnehmen. So wurden sie in die Flüsse geleitet, überdüngen diese, und die Nährstoffe verschwinden im Meer.
Gleichzeitig fehlen die Nährstoffe, vor allem der Phosphor, in den immer größeren Gebieten, die zur Ernährung einer Stadt nötig waren. So war die Entdeckung des Kunstdüngers aus mineralischem Phosphor zunächst ein Segen für die Landwirtschaft.
Heute weiß man, daß der mineralische Phosphordünger, das Doping unserer industriellen Landwirtschaft, noch ungefähr 40-50 Jahre reichen wird. Eher weniger, denn die Schwellenländer wollen ja auch immer mehr davon abhaben. Dann ist alle, und bis jetzt mag sich keiner damit beschäftigen, was dann wird. Vermutlich wird die Hälfte der Weltbevölkerung verhungern.
Zurück zu den Böden: Es gibt noch weitere Mineralien, essentiell für Pflanzen, Tiere und Menschen, die nicht über den Dünger zurückgeführt werden. Das sind hauptsächlich die Spurenelemente Jod, Selen, Mangan, Zink und Kupfer. Diese sind wichtig für Hormonhaushalt, Zellaufbau und Immunsystem. Auf geologisch alten Böden (hier betreten wir das Fachgebiet Geografie

Und damit kommt noch ein weiterer Faktor hinzu, der die Böden entmineralisiert, aber nicht menschengemacht ist: das Wetter. Jeder Regen wäscht Mineralien und Spurenelemente aus dem Boden ins Grundwasser, und über die Bäche und Flüsse dann ins Meer. Dort reichern sich diese Stoffe an, denn das Wasser verdunstet ja und regnet wieder über den Bergen ab. Doch bei der Verdunstung kann es leider keine Mineralien mitnehmen (weshalb man auch schweren Mineralmangel bekommt, wenn man sich nur von destilliertem Wasser ernährt), Das war jetzt noch Physik

Oh, das war etwas ausführlich

Liebe Grüße, Mechthild